Von der "Lebenshilfe" zur Behindertenhilfe

Die ersten Schritte des Vereins Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach

Den Anlaß zur Gründung des Vereins Behindertenhilfe Offenbach gab der Verein Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung in Stadt und Kreis Offenbach.

Die "Lebenshilfe" betrieb seit 1971 auf Initiative der Mutter eines behin- derten Kindes, Frau Ingeborg Winkler aus Klein Krotzenburg, eine Sonderkindertagesstätte in Seligenstadt. In ihr wurden 24 behinderte Kinder aus dem Kreis und der Stadt Offenbach betreut und gefördert.

Frau Winkler hatte aus dem Nichts mit viel persönlichem Einsatz eine Einrichtung geschaffen, die bis 1978 in einer gemieteten Villa unter- gebracht war. Frau Winkler legte besonderen Wert auf die enge Zusammenarbeit der Mitarbeiter/innen mit den Eltern und auf eine interdisziplinäre Zusam- menarbeit mit dem begleitenden Fachpersonal wie Krankengym- nast/innen, Psycholog/innen, Sprachtherapeut/innen und Kinderärzt/innen. Schon bald zeige sich, dass ein Haus nötig wurde, das den notwendigen räumlichen, sanitären und therapeutischen Erfordernissen entsprach und noch mehr Kinder aufnehmen konnte.

Der Einzugsbereich der Kindertagesstätte umfasste den gesamten Ostkreis, von Mainhausen bis Mühlheim, Heusenstamm und Dietzenbach und einen Teil der Stadt Offenbach. Die "Lebenshilfe" half, ein Grundstück in Klein-Krotzenburg mit großem Entgegenkommen der Gemeinde zu finden. Allerdings konnte sich der damalige Vorstand der "Lebenshilfe" nicht entschließen, als Elternverein die Verantwortung für den Bau und Betrieb einer neu zu errichtenden Kindertagesstätte zu übernehmen. Er kam nach langen Beratungs- gesprächen mit dem Ministerium, der Kreisverwaltung und der Stadt Offenbach zu dem Entschluß, seine Einrichtung in die Trägerschaft einer zu gründenden Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach zu übertragen.

Nach Gründung des Vereins "Behindertenhilfe" am 20. März 1975 entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand der "Behindertenhilfe" unter Vorsitz von Herrn Wilhelm Thomin (Sozialdezernent des Kreises Offenbach) und der Leiterin der Kindertagesstätte. So wurde die Leiterin zu allen Vorstandssitzungen der "Behindertenhilfe" eingeladen und frühzeitig in die Planungen einbezogen. Außerdem erarbeitete das Team der Kindertagesstätte einen ausführlichen Kriterienkatalog für einen Neubau. Dieser diente dem Verein als Vorgabe für die Architektenausschreibung. Bei der Entscheidungsfindung war die Leiterin der Tagesstätte mit Rat und Stellungnahme beteiligt. Nun begann eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro Braun & Schlockermann und der Kindertagesstätte. Die ausführenden Architekten hospitierten einige Tage in der Kindertagesstätte in Seligenstadt und waren im ständigen Kontakt mit der Leiterin und dem Fachpersonal, um Einzelheiten zu klären. Auch die Möblierung des neuen Hauses wurde nach einer Präsentation verschiedener Firmen vom Team der Kindertagesstätte ausgewählt. Nicht zuletzt ist es dieser engen Zusammenarbeit zu verdanken, dass die Kindertagesstätte in Hainburg, Ortsteil Klein- Krotzenburg, eine Vorzeigeeinrichtung und Modell für weitere in Hessen wurde, da sie neben ihrem gelungenen Äußeren viele hilfreiche Details zu bieten hat.

Nachdem die neue Kindertagesstätte gebaut war und ihre Aufgaben erfüllte, bestand von Seiten des Vorstandes auch beim nachfolgenden Vorsitzenden, Herrn Alfons Faust (Sozialdezernent des Kreises Offenbach) der Wunsch, dass die Leiterin an den Vorstands- sitzungen teilnahm. Ihr fachlicher Rat war gefragt, so z.B. bei der Überlegung, wie man sprachbehinderten Kindern im Vorschulalter Hilfen anbieten könnte. Sie konnte zwei Sprachheillehrerinnen vermitteln, die aus ihrer Tätigkeit in der Kindertagesstätte mit behinderten Kindern Erfahrung hatten. Damit entstand der "Ambulante Sprachheildienst" des Vereins. Eine der vermittelten Sprachheillehrerinnen ist heute noch für den Verein tätig. Das nächste Projekt im Elementarbereich war die Planung einer Frühförderstelle. Auch hier wurden erfahrene Mitarbeiter/innen der Kindertagesstätte gefunden, die mit großem Engagement ab 1980 einen beispielhaften Aufbau der Frühförderstelle zuwege brachten.

Bis Dezember 1992 hatte der Verein "Behindertenhilfe" einen ehrenamtlichen Geschäftsführer, zunächst Herrn Bruno Stencl, dann lange Jahre Herrn Heinz Rehbein. Diese Geschäftsführungsstruktur brachte es mit sich, dass sich die Kindertagesstätte, wie unter der Trägerschaft der "Lebenshilfe", weitgehendst selbst verwaltete und z.B. die Personalverwaltung, Verhandlungen und Abrechnung mit den Kostenträgern führte. Die ständige Ausweitung der Aktivitäten der "Behindertenhilfe", über die an anderer Stelle berichtet wird, machten dann auch eine strukturelle Änderung der Geschäftsführung erforderlich. Nachdem die "Behindertenhilfe" die Kindertagesstätte 1978 von der "Lebenshilfe" übernommen hatte, war die "Lebenshilfe" ständig als stimmberechtigtes Vorstandsmitglied und in der Mitgliederversammlung mit drei Personen im Verein "Behindertenhilfe" vertreten und konnte die weitere Entwicklung aktiv mitgestalten. Dieses gute und sachgerechte Zusammenwirken wird auch dadurch dokumentiert, dass die "Behin- dertenhilfe" ihre Wohnanlage in Langen nach Albrecht Tuckermann, dem früh verstorbenen Vorsitzenden der Lebenshilfe, benannte. Maria Heil