Projekte

Begleitung von Eltern und Angehörigen im Verein Behindertenhilfe

Die Idee, Eltern einrichtungsübergreifend zu begleiten und ihnen die Möglichkeit zum Austausch und Informationen zu relevanten Themen zu geben, entstand 2006.

Eine Arbeitsgruppe bestehend aus den Leitungskräften der Kindertagesstätten, des Ambulanten Dienstes, der Wohnverbünde, der Interdisziplinären Frühförder- und Frühberatungsstelle, der Koordinationsstelle Wohnen und der Lebenshilfe Offenbach plante eine Auftaktveranstaltung im April 2011, zu der  Eltern und Kinder eingeladen wurden. Bei diesem Treffen sollten in lockerer Atmosphäre Ideen, Wünsche und Fragen der Eltern zu allgemeinen Themen aufgegriffen werden.
Für die anwesenden Kinder gab es verschiedene Spielangebote. Mit großem Interesse nahmen 30 Eltern an diesem Nachmittag teil.

Aus den gesammelten Ergebnissen der ersten Veranstaltung entstand eine Vortragsreihe von September 2011 bis März 2012 zu verschiedenen Themen, mit der Möglichkeit sich neben der Information auch auszutauschen:

  • gesetzliche Betreuung
  • Wechsel Kita/ Schule
  • Patientenverfügung/ Vorsorgevollmacht/ Generalvollmacht
  • Wie viel ist zu viel? Grenzen und Konsequenzen in der Erziehung
  • Erbrecht
  • Welche Möglichkeit bietet die Pflegeversicherung


Zu den einzelnen Themen wurden erfahrene Referenten ausgesucht und eingeladen. Gestartet wurde die Vortragsserie mit einem von der Lebenshilfe organisierten gemeinsamen Familienausflug in die Fasanerie in Hanau/Klein Auheim, bei dem die Eltern die Gelegenheit zum Austausch und die Kinder in der Natur die Tieren erleben konnten.
Nach einer ersten Auswertung nach einem Jahr konnte man sagen, dass die Beteiligung mit insgesamt rund 200 Eltern bei allen Veranstaltungen sehr hoch war und mit einem weiterhin großem Interesse der Elternschaft gerechnet werden kann.

Am 15.09.2012 fand ein großes Familien- und Kinderfest in der Integrativen Kindertagesstätte Martin-Luther-Park statt. Neben Spiel, Spaß und Verpflegung für Kinder und Eltern sollen in lockerer Atmosphäre Ideen für weitere Angebote des Vereins gesammelt werden.

 

Projekt: Sozialräumliche Orientierung im Verein Behindertenhilfe

Sozialraumorientierung im Sinne der Realisierung verbesserter Teilhabe und Inklusion im Sinne der UN-behindertenrechtskonvention haben die fachliche Diskussion in der Behindertenhilfe in Deutschland in den letzten Jahren belebt und bereichert.

Im Magnetfeld dieser durchaus von unterschiedlichen Interessen geleiteten Auseinandersetzung hatte sich die Betriebsleitung des Vereins Behindertenhilfe den Auftrag gegeben, im Wohnverbund Langen an den beiden Modellstandorten Langen und Seligenstadt im Rahmen eines Projektes Sozialräumliche Orientierung in der Behindertenhilfe zu prüfen, ob die Sozialraumorientierung als handlungsleitendes Prinzip zu einer Verbesserung der Teilhabechancen der Menschen mit Behinderung beiträgt. Darüber hinaus sollte neben der Erkundung vorhandener Netzwerke sowohl der Institution als auch der Bewohner/Klienten fachlich überprüft werden, was neu an diesem Ansatz für die praktische Arbeit ist und welche Ansätze unsere Arbeit erweitern und ergänzen kann.

Dieses Projekt wurde durchgeführt in den Teams der Wohngruppen der Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage Langen, dem Wohnhaus Elisabethenstraße Langen sowie der Wohngruppe Steinheimer Tor in Seligenstadt. Zeitraum war Dezember 2009 bis März 2011. Teilhabeplanung vor Ort braucht Bündnispartner im Gemeinwesen. Teilhabeplanung auch im Sinne der Verwirklichung der Menschenrechte behinderter Menschen ist jedoch ohne den Einsatz zusätzlicher materieller Ressourcen nicht zu haben.

Dem Projekt lag eine vom Projektverantwortlichen Ingolf Reimer, Leiter Wohnverbund Langen, erstellte Konzeption (23.11.2009) zugrunde. Diese blieb dann aber auch die einzige grundlegende konzeptionelle Vorarbeit.
Denn ein wesentliches Element der prozesshaften Entwicklung dieses Projektes war, dass von Team zu Team, von Teamtag zu Teamtag gleichsam im Sinne der lernenden und sich weiterentwickelnden Organisation das Projekt entwickelt wurde. Auf den Vorarbeiten konnte das jeweils zeitlich folgende Team aufbauen; das Rad musste nicht jeweils neu erfunden, sondern Erkenntnisse wurden untereinander weitergegeben. Dass hierbei auch erstmalig bei immerhin 12 von 19 erstellten individuellen Netzwerkkarten der Bewohner der Versuch unternommen wurde, Bewohner direkt über ihr soziales Netz zu befragen und sie so in den Prozess der sozialräumlich orientierten Hilfeplanung unmittelbar einzubeziehen, signalisiert vor dem Hintergrund der UN-BRK den Anspruch, auch Projekte und die Evaluation partizipativ zu gestalten.

Der Gesamtfortschritt und das Ergebnis dieses Projektes stellen so insgesamt ein durchaus gelungenes Gesamtkunstwerk dar. "Freiheitsrechte für behinderte Menschen, insbesondere für Menschen mit schweren Behinderungen werden wertlos, wenn die materielle Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben fehlt und/oder Barrieren den Zugang zu ihm blockieren."

(1) Daher bleibt abzuwarten, ob die "zerstörerischen Folgen bisheriger marktradikaler Rezepte für gesellschaftliche Kulturen und soziale Balance sich jedoch als schwer überwindbare Barrieren für die Umsetzung der humanen Intention"

(2) der UN-BRK erweisen werden.Die in den letzten Jahren eingeforderte Marktförmigkeit des Sozialen und das Ziel nach verstärkter Teilhabe stehen derzeit in einem ungelösten Widerspruch.